Von Kenia nach Deutschland, vom Tourismus in die Logistik und vom Praktikanten zum ausgebildeten Mitarbeiter: Thomson Cibodanji hat in den vergangenen Jahren nicht nur beruflich einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt. Heute ist er fester Bestandteil des Teams in Wustermark, arbeitet selbstständig in seinem Bereich und gibt sein Wissen bereits an die nächste Generation von Auszubildenden weiter. Seine Geschichte zeigt, welche Chancen eine Ausbildung eröffnen kann, wenn Lernbereitschaft, Durchhaltevermögen und Unterstützung zusammenkommen.
Thomson stammt aus Mombasa, einer Hafenstadt an der kenianischen Küste. Bevor er nach Deutschland kam, hatte sein Berufsleben mit Logistik noch wenig zu tun. In Kenia absolvierte er eine Ausbildung im Tourismusmanagement und arbeitete mehrere Jahre als Reiseleiter. Er begleitete unter anderem deutsch- und englischsprachige Gäste auf Safaris und zeigte ihnen Sehenswürdigkeiten seiner Heimat.
Deutsch war für ihn deshalb nicht vollkommen neu. Bereits in Kenia hatte Thomson die Sprache gelernt und entsprechende Kurse absolviert. Trotzdem sollte sich später zeigen: Eine Sprache im beruflichen Alltag und insbesondere in einer deutschen Berufsschule zu verwenden, ist noch einmal etwas ganz anderes.
Im August 2017 kam Thomson nach Deutschland. Hier begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt und irgendwann stellte sich auch die Frage, wie es beruflich weitergehen sollte.
Seinen bisherigen Weg im Tourismus einfach fortzusetzen, war nicht ohne Weiteres möglich. Also entschied Thomson sich, noch einmal neu anzufangen. Bei der Suche nach einem neuen Berufsfeld rückte die Logistik in den Mittelpunkt.
„Ich habe gedacht, es wäre besser, wenn ich etwas Neues anfange. Ich hatte immer Interesse an der Arbeit im Lager.“

2019 sammelte Thomson bei der Nagel-Group erste praktische Erfahrungen im Lager. Auf ein zunächst kurzes Stáže folgte eine längere Einstiegsqualifizierung. Für ihn war das eine wichtige Phase: Er konnte die Abläufe kennenlernen, praktische Erfahrungen sammeln und herausfinden, ob die Logistik tatsächlich das Richtige für ihn ist.
Nach mehreren Monaten kannte Thomson bereits viele Tätigkeiten und Prozesse im Lager. Gleichzeitig bereitete ihn die Kombination aus Theorie und Praxis auf den nächsten großen Schritt vor: die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik.
Damit startete für Thomson allerdings nicht nur eine berufliche Qualifizierung. Er musste sich gleichzeitig in einem für ihn neuen Ausbildungssystem zurechtfinden, seine Deutschkenntnisse weiterentwickeln und sich in einem neuen beruflichen und sozialen Umfeld etablieren.
Vor allem die Berufsschule war zunächst ungewohnt. Thomson saß als erwachsener Mann gemeinsam mit deutlich jüngeren Auszubildenden im Klassenraum. Dazu kam die Sprache.
Im alltäglichen Gespräch konnte er sich bereits verständigen. Im Unterricht begegneten ihm jedoch Fachbegriffe, Aufgabenstellungen und Formulierungen, die deutlich schwieriger waren. Wenn Lehrkräfte Aufgaben erklärten oder Fachbegriffe verwendeten, musste Thomson manches erst einmal verstehen und einordnen.
„Am Anfang war es ein bisschen schwierig für mich, auch wegen der Sprache.“
Aufgeben kam für ihn trotzdem nicht infrage. Thomson fragte nach, suchte Unterstützung und lernte weiter. Mitschüler halfen ihm bei Aufgaben und Erklärungen, ebenso seine Ausbildungsleitung und ein Betreuer. Gerade diese Unterstützung war für ihn wichtig. Aus Dingen, die zunächst kompliziert erschienen, wurden mit der Zeit Routinen. Und Thomson hatte ein klares Ziel vor Augen: „Ich hatte meinen Fokus. Ich habe mir selbst gesagt: Ich muss diese Ausbildung bestehen.“
Diese Haltung zog sich durch seine gesamte Ausbildungszeit. Denn für Thomson bedeutete der erfolgreiche Abschluss weit mehr als ein Zeugnis. Die Ausbildung war für ihn ein wichtiger Baustein, um sich in Deutschland ein eigenständiges Leben aufzubauen.

Auch im Arbeitsalltag musste Thomson zunächst seinen Platz finden. Neue Kollegen, eine neue Arbeitskultur, andere Abläufe und die sprachliche Unsicherheit bedeuteten, dass beide Seiten sich erst kennenlernen mussten.
Thomson blieb offen, ging auf seine Kollegen zu und wurde mit der Zeit immer sicherer. Aus anfänglicher Zurückhaltung entwickelte sich ein gutes Miteinander. Heute beschreibt er den Umgang mit seinen Kolleginnen und Kollegen als gut und selbstverständlich.
Für ihn ist gerade diese Entwicklung ein wichtiger Teil seiner Geschichte: anzukommen, sich gegenseitig kennenzulernen und schließlich ein fester Teil des Teams zu werden. Dabei half ihm nicht nur die Unterstützung anderer. Thomson selbst blieb fokussiert, lernte kontinuierlich dazu und zeigte im Arbeitsalltag, was in ihm steckt.
Heute lebt Thomson selbstständig in Deutschland, hat seine eigene Wohnung, eine abgeschlossene Berufsausbildung und einen festen Arbeitsplatz. Er hat sich fachlich und persönlich weiterentwickelt und übernimmt Verantwortung. Vor allem im Arbeitsalltag wird deutlich, wie groß der Schritt vom damaligen Praktikanten zum heutigen Kollegen ist.
„Ich kann selbstständig arbeiten. Ich kann den ganzen Bereich alleine machen, weil ich während meiner Ausbildung alles gesehen und gelernt habe, Theorie in der Schule und die Praxis hier.“
Besonders schön zeigt sich seine Entwicklung, wenn neue Praktikanten oder Auszubildende nach Wustermark kommen. Denn dann ist Thomson heute selbst einer derjenigen, die ihnen erklären, wie alles funktioniert. Er führt neue Kolleginnen und Kollegen durch den Bereich, erklärt Abläufe, zeigt ihnen Arbeitsschritte und beantwortet Fragen. Wenn Auszubildende wissen möchten, wie etwas gescannt wird oder was bei einer bestimmten Tätigkeit zu beachten ist, können sie auf ihn zukommen.
„Ich bin immer für die Auszubildenden da. Wir arbeiten zusammen, teilen Informationen und ich zeige ihnen, wie es funktioniert.“
Manche fragen ihn auch nach seinem eigenen Weg: Wie hast du das geschafft? Seine Antwort darauf ist einfach: Fokus und ein Ziel.
Bei seinem Weg musste Thomson nicht alles allein schaffen. Im Gespräch wird deutlich, wie wichtig einzelne Menschen waren, die an ihn geglaubt und ihn immer wieder motiviert haben.
Auch sein Alter beschäftigte Thomson zeitweise. Mit 39 Jahren noch einmal eine Ausbildung zu machen, während viele Mitschüler deutlich jünger waren, war ungewohnt. Doch auch hier bekam er eine Botschaft mit auf den Weg, die ihm bis heute in Erinnerung geblieben ist: Für Bildung ist man nicht zu alt.
Die Ausbildung erfolgreich abzuschließen, war nicht nur ein beruflicher Erfolg. Sie war das Ergebnis von Ausdauer, Unterstützung und dem festen Willen, sich ein neues Leben aufzubauen.
Heute blickt Thomson nicht nur zurück. Er hat längst neue Ziele.
Er möchte sich beruflich weiterentwickeln und kann sich vorstellen, in Zukunft noch einmal eine Weiterbildung zu absolvieren. Auch privat hat er konkrete Pläne: Ein Führerschein steht auf seiner Wunschliste, langfristig möchte er sich ein eigenes Haus aufbauen.
Vor allem aber möchte Thomson weiterarbeiten und seinen Weg bei der Nagel-Group fortsetzen. Seine Geschichte zeigt, was Ausbildung leisten kann. Sie vermittelt nicht nur Fachwissen. Sie kann Menschen Orientierung geben, Selbstständigkeit ermöglichen und neue Perspektiven eröffnen.
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