Zum Diversity Day am 19. Mai möchten wir Vielfalt dort sichtbar machen, wo sie jeden Tag gelebt wird: in den Geschichten unserer Kolleginnen und Kollegen.
Eine dieser Geschichten ist die von Amina aus dem Performance Management in Groß-Gerau. Sie ist als Auszubildende gestartet, hat sich weiterentwickelt, nebenbei studiert, Verantwortung übernommen und innerhalb des Unternehmens neue Schritte gewagt. Gleichzeitig hat sie sich entschieden, mit ihrem Kopftuch einen wichtigen Teil ihrer Identität auch im Arbeitsalltag sichtbar zu machen.
Im Interview möchten wir erfahren, was sie auf ihrem Weg angetrieben hat, welche Erfahrungen sie geprägt haben und welche Botschaft sie zum Diversity Day mitgeben möchte.

Ein Weg mit vielen Facetten
Kannst du kurz beschreiben, wie dein Weg bei der Nagel-Group begonnen hat und welche Schritte du seitdem gegangen bist?
Ich habe nach dem Abitur 2017 direkt in die Ausbildung am Standort Bochum und das Bachelor- Studium gestartet. Leider wurde in meinem Jahrgang kein Duales Studium von der Nagel-Group angeboten, sodass ich in Absprache mit meiner damaligen Ausbildungsleitung, ein Verbundsstudium begonnen habe. Wie ich zur Spedition und Logistik kam, ist auch eine interessante Geschichte. Ich habe damals, in der 6.-7. Klasse schon gesagt, ich würde gerne in der Logistik arbeiten, ohne wirklich einen Plan davon zu haben, was genau das bedeutet. Aber ich habe das gesamte Konstrukt der Lieferkette und vor allem die LKW’s an sich schon immer bewundert.
Meine absolute Lieblingsabteilung ist der Customer Service gewesen und auch bis heute geblieben. Glücklicherweise haben meine damaligen Kollegen meine Arbeit dort ebenfalls wertgeschätzt und so wurde mir die Übernahme im Customer Service ermöglicht. Und nicht nur das, ich habe kurz nach Beendigung meiner Ausbildung und im Hinblick auf den Abschluss meines Bachelor-Studiums auch die stellvertretende Abteilungsleitung übernommen. Das war ein enormer Vertrauensbeweis von seitens des Bochumer Managements, für den ich heute noch sehr dankbar bin. Das war einer der ersten großen Meilensteine in meiner beruflichen Laufbahn. In Bochum bin ich dann auch noch in das Performance Management eingestiegen und habe mich mit Kundenanalysen und Kennzahlen beschäftigt. Auch das war sehr lehrreich und hat den Grundstein für meine heutige Position maßgeblich ausgelegt.

Du hast innerhalb des Unternehmens auch neue Wege eingeschlagen. Wie hast du diesen Schritt erlebt und was hat dir geholfen, in einem neuen Umfeld anzukommen?
Ja, richtig. Im Jahr 2023 stand aus privaten Gründen ein Umzug nach Wiesbaden an. Mein damaliger Niederlassungsleiter in Bochum hat den Kontakt zu Erik Bernknecht, der Niederlassungsleitung aus Groß- Gerau hergestellt, sodass ich einen reibungslosen, beruflichen Übergang innerhalb der Nagel-Group hatte. Im Oktober 2023 bin ich in Groß-Gerau als Abteilungsleitung Service Network eingestiegen und habe ein Team von sieben Mitarbeitenden übernommen. Glücklicherweise kannte ich durch meine Zeit aus dem Customer Service in Bochum bereits einige Kollegen und Kolleginnen in Groß-Gerau über E-Mail und Telefonkontakt. Das hat mir dann den Einstieg in ein neues Kapitel deutlich erleichtert.
Wie hat die Nagel-Group dich auf deinem bisherigen Weg unterstützt?
Das ist eine tolle Frage, die ich tatsächlich oft gestellt bekomme und auch immer wieder gerne beantworte, wenn ich über meinen beruflichen Weg spreche. Die Nagel-Group, inklusive aller Führungskräfte, die mich bisher begleitet haben, habe ich immer als sehr unterstützend und fördernd erlebt. Ich habe viel Vertrauen bekommen, wurde ermutigt, mich weiterzuentwickeln, und auf meinem Weg stets gut begleitet. So konnte ich beispielsweise mein berufsbegleitendes Masterstudium in Dortmund fortsetzen, obwohl ich bereits in Wiesbaden gelebt und in Groß-Gerau gearbeitet habe. Das wurde mir durch die flexible Möglichkeit des mobilen Arbeitens überhaupt erst ermöglicht.
Eigene Identität und Sichtbarkeit
Wie hast du für dich entschieden, dein Kopftuch auch im Arbeitsalltag zu tragen? Welche Gedanken, Unsicherheiten oder bestärkenden Momente haben dich auf diesem Weg begleitet?
Für mich war die Entscheidung, ein Kopftuch, oder wie ich es lieber nenne: ein Hijab, zu tragen, ein längerer und sehr bewusster Prozess. Den Entschluss an sich habe ich schon vor längerer Zeit für mich getroffen. Mir ist bewusst, dass das Hijab für manche Menschen schwer nachvollziehbar ist oder auch negativ wahrgenommen wird. Für mich ist es jedoch die sichtbare Form meiner religiösen Identität, etwas, das ich innerlich schon lange lebe.
Gleichzeitig steht das Hijab für mich auch für Selbstbestimmung, denn ich treffe ganz bewusst die Entscheidung, es zu tragen und meinen eigenen Weg zu gehen. Es ist Ausdruck meiner Spiritualität, aber auch von Stärke und Haltung, gerade weil es nicht immer der einfachste Weg ist. Für mich bedeutet Authentizität, dass mein Inneres und mein Äußeres im Einklang sind. Und es zeigt, dass Emanzipation vielfältig ist: Jede Frau definiert ihren Weg für sich selbst, und das ist meiner.
Wie hast du dein Umfeld erlebt, als du diesen Schritt gegangen bist?
Sowohl mein privates als auch mein berufliches Umfeld haben durchweg positiv reagiert, dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Ich habe bislang keine negativen Erfahrungen im Zusammenhang mit meinem Hijab gemacht. Natürlich sind die Reaktionen unterschiedlich ausgefallen, aber das ist ganz normal und auch verständlich, es ist ja zunächst eine sichtbare Veränderung. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Tag mit Hijab im Büro. Ich war nervös und hatte viele Gedanken im Kopf: Wie werden meine Kolleginnen und Kollegen reagieren? Wird sich ihr Umgang mit mir verändern? Werde ich vielleicht auf den Hijab reduziert?
Letztlich bin ich ganz bewusst in den Tag gestartet wie immer, habe alle begrüßt, Small Talk geführt, mir einen Kaffee gemacht und meinen Arbeitsalltag ganz normal aufgenommen. Die nonverbalen Reaktionen habe ich zwar wahrgenommen, wie zum Beispiel eine kurze Stille, obwohl zuvor noch ganz normal gesprochen wurde, aber ich habe mich entschieden, der Situation offen und unvoreingenommen zu begegnen. Und genau das war für mich der Schlüssel: Als meine Kolleginnen und Kollegen gemerkt haben, dass ich mich als Person nicht verändert habe, hat sich alles sehr schnell wieder ganz selbstverständlich angefühlt. Für mich hat sich dadurch bestätigt, dass am Ende das Verhalten, die Leistung und das Zwischenmenschliche entscheidend sind, nicht das, was man trägt.
Was wünschst du dir im Umgang mit sichtbarer Vielfalt, zum Beispiel wenn Menschen Fragen haben oder unsicher sind, wie sie reagieren sollen?
Ich kann nur dazu ermutigen, Vorurteile bewusst beiseitezulegen und offen auf Vielfalt zuzugehen. Sich ein eigenes Bild zu machen, ist dabei ganz entscheidend, und das gelingt am besten durch ehrlichen Austausch.
Mein Wunsch ist, dass Menschen den Mut haben, aufeinander zuzugehen und Fragen zu stellen, wenn ihnen etwas fremd oder nicht direkt verständlich erscheint. Solange das respektvoll und wertschätzend passiert, ist das absolut in Ordnung. Unangenehm wird es meist erst dann, wenn Zurückhaltung, Unsicherheit oder Vorurteile unausgesprochen im Raum stehen. Ein offener und respektvoller Dialog hilft, genau das zu vermeiden und echtes Verständnis zu schaffen.
Führung, Teamkultur und Zugehörigkeit
Was bedeutet es für dich als Führungskraft, ein Umfeld zu schaffen, in dem unterschiedliche Menschen ihren Platz finden und sich weiterentwickeln können?
Für mich als Führungskraft bedeutet das in erster Linie, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Menschen gesehen, respektiert und wertgeschätzt fühlen, unabhängig von ihrem Hintergrund oder ihren individuellen Lebensrealitäten. Gerade in unserer Logistikbranche arbeiten wir täglich mit unterschiedlichsten Menschen zusammen, sei es mit internationalen Fahrerinnen und Fahrern, Kolleginnen und Kollegen im Ausland oder mit unseren Kundinnen und Kunden. Vielfalt ist hier kein „Nice-to-have“, sondern ein echter Mehrwert. Unterschiedliche Perspektiven helfen uns, flexibler zu denken, Lösungen zu finden und auch mal „out of the box“ zu handeln.
Persönliche Botschaft zum Diversity Day
Was würdest du Menschen mitgeben, die überlegen, einen wichtigen Teil ihrer Identität im Arbeitsumfeld sichtbar zu machen, sich aber noch unsicher fühlen?
Ich würde ihnen mitgeben, sich die Zeit zu nehmen, die sie für diese Entscheidung brauchen, denn es ist ein sehr persönlicher Schritt. Unsicherheiten sind dabei völlig normal. Wichtig ist, auf das eigene Gefühl zu hören und den Weg in dem Tempo zu gehen, das sich richtig anfühlt. Und auch wenn man nicht beeinflussen kann, wie andere reagieren, kann man doch beeinflussen, wie man selbst damit umgeht. Offenheit, Ruhe und Selbstvertrauen helfen dabei sehr. Am Ende geht es darum, zu sich selbst zu stehen, und das ist immer ein Gewinn.
Was ist deine Botschaft zum Diversity Day an alle Kollegen und Kolleginnen?
Vielfalt beginnt mit Authentizität. Sei du selbst und akzeptiere andere so, wie sie sind.
Erfahre mehr über unsere Unternehmenswerte, die Teamkultur und was die Nagel-Group als Arbeitgeber auszeichnet. Mehr →
Du bist bereit, den nächsten Schritt in deine Zukunft zu wagen? Klicke hier, um unsere aktuellen Stellenangebote zu entdecken. Mehr →
Hast du Fragen oder möchtest mehr über deine Möglichkeiten bei der Nagel-Group erfahren? Kontaktiere uns gerne! Mehr →